Sprache und Demenz: Ein interdisziplinäres Symposium
Prognosen zufolge könnten im Jahr 2050 mehr als 2,7 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz leiden. Demenzielle Erkrankungen sind mit einem hohen Leidensdruck für die Betroffenen verbunden und stellen auch Angehörige und Betreuende vor große Schwierigkeiten, insbesondere da im Krankheitsverlauf sprachliche und kommunikative Fähigkeiten stark beeinflusst werden.
Das interdisziplinäre Forschungssymposium „Language and Dementia / Sprache und Demenz“ widmet sich diesen Herausforderungen: Organisiert vom Göttinger Zentrum „Textstrukturen“ bringt das Symposium vom 02.-04. November renommierte Wissenschaftler:innen und Expert:innen aus der Medizin, Pflege, (Medizin-)Ethik, der Linguistik und Literaturwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen zusammen. Das zentrale Ziel und Alleinstellungsmerkmal ist die thematische Verknüpfung von Demenz und Sprache. Denn nicht nur sind Sprachveränderungen diagnostisch relevant; Sprache ist das zentrale Medium der Kommunikation von und mit Demenzpatient:innen, ebenso wie Sprache das Medium ist, in dem Wissen über Demenz in unterschiedlichen Diskursen aufbereitet wird.
Das Symposium greift zentrale Fragen auf: Wie verändert sich Sprache im Verlauf einer Demenz – bereits vor der Diagnose? Welche Rolle spielt Sprache also für die Diagnostik und wie wirken sich sprachliche Veränderungen auf soziale Interaktionen aus? Wie kann man mit Demenzpatient:innen angemessen kommunizieren? Wie wird Wissen über Demenz in der Öffentlichkeit vermittelt – und welche Funktionen übernehmen fiktionale Darstellungen, die eine ganzheitliche Perspektive auf die Krankheit ermöglichen?
Für die Diskussion dieser Fragen kommen unterschiedliche Fächer und Institutionen zusammen: Das Seminar für Deutsche Philologie, das Göttinger Zentrum „Textstrukturen“ in Kooperation mit dem Gebärdensprachlabor, das Philosophische Seminar, das Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, die Gedächtnisambulanz der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, die Demenzambulanz der UMG, die Demenzbeauftragte der UMG, das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE, Standort Göttingen), die HAWK Göttingen sowie renommierte externe Gäste. Mit dem Symposium wird somit der Grundstein für interdisziplinäre Grundlagenforschung gelegt. Zugleich wird im Rahmen eines öffentlichen Vortrages das Interesse und Verständnis für die Krankheit in einem breiten Publikum geweckt.
Programmübersicht
01.11.2026
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18:00 Get-together
02.11.2026
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9:00-10:00 Anmeldung
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10:00-10:30 Tagungseröffnung und Begrüßung
Sektion I: Demenz aus linguistischer Sicht
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10:30-11:15 Dr. Markus Tönjes (Univ. Göttingen): „Ich habe mich sozusagen verloren.“ – Ein linguistischer Überblick zum Zusammenhang von Demenz, Sprache und Kommunikation
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11:30-12:15 Dr. Jeremy Bradley (LMU): Demenz, Aphasie und Sprachtypologie
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12:15-13:30 Mittagspause
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13:30-14:15 Prof. Dr. Sarah Tune (Univ. Göttingen): Hören, Verstehen, Kommunizieren – Sprache im alternden Gehirn
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14:15-15:00 PD Dr. Silva Ladewig (Univ. Göttingen): Titel folgt
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15:00-15:45 Prof. Dr. Cornelia Ebert (Univ. Frankfurt), Prof. Dr. Markus Steinbach (Uni. Göttingen): Titel folgt
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15:45-16:30 Thomas Finkbeiner, Dr. Nina Meister, Dr. Patrick C. Trettenbrein (Univ. Göttingen): Gebärdensprachen in Gesellschaft und Gehirn: Perspektiven aus Deaf Studies, Linguistik und Neurowissenschaft
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16:30-17:15 Kaffeepause
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17:15-18:00 Dr. Lisa Stockleben (Univ. Köln): Linguistische Marker bei Demenzen: Von Lautsprachen zu Gebärdensprachen
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20:00 Öffentlicher Abendvortrag: Prof. Dr. Christina Knels (MSH Hamburg)
Mehr als Worte - Was Linguistik zur Diagnostik und Therapie bei Demenz beitragen kann
03.11.2026
Sektion II: Demenz aus medizinischer Sicht
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9:30-10:15 Prof. Wiltfang (UMG): Evidence for specific resilience of brain networks encoding for music memory “Alzheimer’s disease”: Is this finding relevant for innovative linguistic research in AD?
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10:15-11:15 Dr. Marcos Morgado (UMG): CSF and blood biomarker supported diagnosis of preclinical Alzheimer’s dementia: Perspectives to analyze the pathophysiological relevance of non cognitive symptoms
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11:15-12:00 Kaffeepause
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12:00-12:30 PD Dr. Björn Schott (UMG): Imaging the human memory system in pre-clinical Alzheimer’s disease: From detecting network dysfunction to predicting future decline
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12:30-13:00 Prof. Dr. Claudia Bartels (UMG): Verschiedene Perspektiven auf Sprache als kognitive Domäne in der Demenzdiagnostik: Von Hörminderung über Sprache als früher kognitiver Marker zu frontotemporaler Lobärdegeneration
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13:00-14:00 Mittagspause Sektion II: Demenz aus medizinischer Sicht (Fortsetzung)
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14:00-14:30 Dr. Peter Herrmann (UMG): Differenzialdiagnose Demenz: Ein Syndrom, viele Ursachen
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14:30-15:00 Dr. Anna-Lisa Fischer (UMG): Titel folgt (Digital per Zoom)
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15:00-15:30 Kaffeepause
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15:30-16:00 Dr. Sezgi Canaslan (UMG): Tear Fluid as a Biomarker Development Platform: From CSF synSAA to Tear Biomarkers in Neurodegeneration
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16:00-16:45 Dr. Tayyabba Saalem (UMG): Beyond the Brain: Rethinking Alzheimer’s Disease through Biofluid and Organoid Ecosystems
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16:45-17:15 Prof. Dr. Inga Zerr (UMG): Erfahrungen mit modernen Therapieansätzen
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20:00 Conference dinner
04.11.2026
Sektion III: Herausforderungen in der Pflege
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9:45-11:00 Prof. Dr. Shiney Franz (HAWK): Beziehungsgestaltung in der Versorgung
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11:00-11:30 Kaffeepause
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11:30-12:00 Prof. Dr. André Posenau (HS Bochum): Zwischen Personenzentrierung und Komplexitätsdruck – Kommunikative Anforderungen an Pflegefachpersonen in der Demenzversorgung.
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12:00-13:00 Mittagspause
Sektion IV: Medizinethik
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13:00-13:45 Dr. Julia Perry: Ethische Herausforderungen in Sprache und Kommunikation bei Alzheimer-Demenz und ihrer Früherkennung
Sektion V: Demenz in fiktionalen Kontexten
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13:45-14:30 PD Dr. Dennis Henkel (Univ. Köln): Der Demenzfilm – Geschichte, Motive, Framing
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14:30-15:00 Kaffeepause
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15:00-15:45 Prof. Dr. Henriette Herwig (Univ. Düsseldorf): Darstellungsweisen von Kommunikation mit Menschen mit Demenz in Literatur und Film
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15:45-16:30 Prof. Dr. Claudia Hillebrandt (Univ. Bielefeld): Demenz und Dichtung – eine taugliche Analogie? Zum Verhältnis von sprachlicher Kreativität und Demenz mit Bezug auf Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“
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16:30-17:00 Abschlussdiskussion: Möglichkeiten interdisziplinärer Kooperationen
Daten und Informationen
02.-04. November 2026
Georg-August-Universität Göttingen
Alte Mensa, Wilhelmsplatz 3, 37073 Göttingen
Das vorläufige Programm finden Sie hier.
Kontakt: demenzsymposium@uni-goettingen.de