Flora von Steimker
Flora von Steimker studierte im Bachelor Ökologische Landwirtschaft an der Universität Kassel-Witzenhausen und im Master Agrarwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen mit dem Schwerpunkt Ressourcenmanagement. Die Kernthemen ihres Studiums lagen in den Bereichen nachhaltige und artgerechte Nutztierhaltung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. In ihrer Masterarbeit untersuchte sie die Durchführbarkeit einer Bio-Zertifizierung für die Schaf- und Ziegenhaltung in pastoralen Haltungssystemen in Nordkenia. Nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums arbeitete sie 2021 als Beraterin für Weidetierhalter*innen in der Landschaftspflege. Ihr Interesse an dem Projekt „InnoRind“ und der Wunsch nach einer Promotion führten sie im April 2022 zurück an die Universität Göttingen. Als Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigte sie sich dort thematisch mit der gesellschaftlichen Akzeptanz von innovativen Haltungs- und Managementmaßnahmen in der Milchvieh- und Mastrinderhaltung. Nach erfolgreicher Disputation ist sie seit 2025 als PostDoc im Verbundvorhaben agri:change tätig, wo sie im Rahmen von agri:lab X1 gesellschaftliche Ernährungs- und Konsumtrends als Ansatzpunkte für die Nachhaltigkeitstransformation agrarischer Wertschöpfungsketten erforscht.
Forschungsschwerpunkte:
- Gesellschaftliche und landwirtschaftliche Wahrnehmung von Emotionen und Bedürfnissen von Nutztieren, wie Kuh-Kalb-Kontakt
- Gesellschaftliche Akzeptanz verschiedener Haltungs- und Managementsysteme in der Nutztierhaltung
- Dialogorientierte Bürgerbeteiligungsverfahren zur Ausgestaltung der Landwirtschaft
- Gesellschaftliche Ernährungstrends
Forschungsprojekt:
agri:change - Zukunft durch Wandel: Nachhaltigkeitstransformation in der Agrar- und Ernährungswirtschaft in NiedersachsenDas Verbundvorhaben agri:change adressiert die notwendige Nachhaltigkeitstransformation des niedersächsischen Agrar- und Ernährungssektors und zielt darauf ab, ein zukunftsfähiges, resilientes System aktiv zu gestalten und voranzutreiben – angepasst an die Spezifika Niedersachsens. In vier transdisziplinär organisierten, praxisorientierten Reallaboren (agri:labs) und drei Querschnittsthemen erarbeiten die beteiligten Akteure aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft System-, Ziel- und Transformationswissen als Grundlage für eine nachhaltige Gestaltung agrarischer Wertschöpfungsketten.
Im Rahmen von agri:lab X1 (Nachhaltige Wertschöpfungssysteme und Nachhaltigkeitstransparenz) untersucht die Universität Göttingen gesellschaftliche Ernährungs- und Konsumtrends als Ansatzpunkte für die Nachhaltigkeitstransformation agrarischer Wertschöpfungsketten. Hierzu werden zunächst auf Basis einer systematischen Literaturrecherche, Experteninterviews und KI-gestützter Trendanalyseverfahren relevante gesellschaftliche Trends identifiziert. In einer repräsentativen Verbraucherstudie werden anschließend die Bekanntheit und Umsetzungsbereitschaft der wichtigsten Trends untersucht. Mittels Ökobilanzierung wird deren Beitrag zur Nachhaltigkeit geprüft, und in Stakeholder-Workshops wird die Praxistauglichkeit der identifizierten Trends diskutiert. Die Ergebnisse werden in einer Praxisbroschüre sowie über Online-Workshops und Wissenschaftskommunikation für Akteure entlang der Wertschöpfungskette aufbereitet.
InnoRind (abgeschlossen)
Innovationsnetzwerk Rind -zukunftsfähige Rinderhaltung in Deutschland unter Berücksichtigung von Tierwohl, Umweltwirkungen und gesellschaftlicher Akzeptanz (InnoRind)
Ziel des Verbundprojektes InnoRind ist es, ein Netzwerk für eine zukunftsfähige Rinderhaltung zu etablieren sowie die Expertise der Projektteilnehmer*innen zu nutzen, um innovative Ansätze für eine nachhaltige Milchvieh- und Mastrinderhaltung in Deutschland zu entwickeln. Durch diese Ansätze soll das Tierwohl erhöht und Umweltbelastungen verringert werden. Gleichzeitig soll aber auch die arbeitswirtschaftliche Situation der landwirtschaftlichen Betriebe sowie die gesellschaftliche Akzeptanz von Haltungs- und Managementsystemen für die Entwicklung zukunftsfähiger Konzepte einbezogen werden.
Die Universität Göttingen untersucht als Projektpartner die gesellschaftliche Perspektive auf innovative Haltungs- und Managementmaßnahmen unter anderem im Bereich Kälberaufzucht und Mastrinderhaltung, um diese in den Transformationsprozess einfließen zu lassen. Zunächst soll dabei die Bewertung, Wichtigkeit und Berücksichtigung von Emotionen der Tiere in der Milchviehhaltung aus gesellschaftlicher und landwirtschaftlicher Sicht durch Interviews und Online-Befragungen erfasst werden. Ein weiteres Forschungsfeld umfasst die Akzeptanz und Bewertung verschiedener, innovativer Haltungsformen für Kälber in den ersten Lebenswochen aus Sicht der Bevölkerung. Zudem soll die Bewertung der Tiergerechtheit sowie die Priorisierung von Tierschutzzielen bei Zielkonflikten verschiedener Haltungssysteme in der Rindermast aus gesellschaftlicher Sicht untersucht werden. Des Weiteren wird das Ziel verfolgt, ein dialogorientiertes Online-Bürger*innenbeteiligungsverfahren für die Ausgestaltung der zukünftigen Rinderhaltung, das auf weitere landwirtschaftliche Themengebiete übertragbar ist, zu entwickeln und zu erproben.
InnoHerd (abgeschlossen)
Schafe leisten in Niedersachsen einen wichtigen Betrag für die Pflege der Kulturlandschaft, zum Beispiel für den Erhalt der Heidelandschaft und im Deichschutz. Die Wiederkehr des Wolfes stellt die Schafhaltung jedoch vor eine große Herausforderung. Viele Schäfer schützen ihre Tiere zwar bereits mit hohen Zäunen und Hunden, jedoch sind diese Schutzmaßnahmen häufig aufwändig und teuer und zwingen Betriebe zur Aufgabe ihrer Schafhaltung. Auch gibt es Regionen, in denen diese Schutzmaßnahmen nicht möglich sind.
In anderen Regionen der Welt, zum Beispiel Südafrika, werden Nutztiere mit Halsbändern vor Raubtieren geschützt. Diese reagieren auf Veränderungen im Schafverhalten und senden Ultraschalltöne und Licht ab, um den Angreifer abzuwehren. Nach diesem Vorbild entwickeln Schäfer und ein Elektronik- und Softwareunternehmen Halsbänder für Schafe in Niedersachsen. Die Halsbänder reagieren auf Veränderungen im Bewegungsablauf der Schafe und senden Signale zur Abwehr aus. Diese sollen eine einfachere und kostengünstigere Alternative zu den bereits bestehenden Schutzmaßnahmen darstellen.
Die Universität Göttingen untersucht als Projektpartner zum einen die gesellschaftliche Wahrnehmung von Herdenschutz- und Wolfsmanagementmaßnahmen vor dem Hintergrund der ökologischen Bedeutung der Schafhaltung. Zum anderen wird die Akzeptanz und Nutzungsbereitschaft des entwickelten Systems durch Schäfer*innen untersucht sowie Einflussfaktoren darauf, um mögliches Optimierungspotenzial abzuleiten.